Warum jetzt und nicht später über Ihre Nachfolge und den Unternehmenswert nachdenken?

Stellen Sie sich vor, Sie müssten nicht aber Sie könnten hier, jetzt und heute Ihre Nachfolge regeln. Was wäre das für ein gutes Gefühl, wenn Ihr Lebenswerk, in welches Sie jahrelange Arbeit, Blut, Schweiss und Tränen gesteckt haben, auch ohne Sie in guten Händen weiterfunktionieren würde. Sie könnten mit gutem Gewissen den Rücktritt geben und wissen genau, dass die Arbeitsplätze auch für die nächste Generation gesichert sind. Genau um Ihnen dieses Gefühl zu geben, braucht es eine akribisch genaue Bewertung Ihres Unternehmens sowie eine perfekt terminierte Planung Ihrer individuellen Nachfolge. So können Sie aus Ihrem Unternehmen Kapital schlagen und Ihrem wohlverdientem Ruhestand nachgehen. Wie bewertet man eine KMU Unternehmung, Was ist Ihre KMU Wert und was sind die Treiber für einen hohen Unternehmenswert?

Wie bewerte ich meine KMU-Unternehmung
Die Gründe für eine Durchführung einer Unternehmensbewertung können vielseitig sein. Der überwiegende Teil an Unternehmensbewertungen im KMU Bereich werden im Zusammenhang einer Nachfolgeplanung vorgenommen. In diesem Bericht erfahren Sie die Hardfacts (ohne Softfaktoren) über die Grundzüge einer Unternehmensbewertung. Wie wird der möglichst richtige Wert errechnet und durch welche Faktoren wird er stark beeinflusst?

Als Einstieg in eine Bewertungsphase stehen die Finanzzahlen als Basis. Der Spezialist analysiert anhand der Finanzzahlen und dem Tätigkeitsgebiet des Unternehmens das Bewertungsverfahren, welches sich hauptsächlich nach Substanz, Gewinn und Cashflow orientiert.

Bewertungsmethoden für KMU’s in der Schweiz
Gerne stellen wir Ihnen in diesem Beitrag die zwei üblichsten sowie eine eher weniger angewandte Bewertungsmethoden aus der Praxis vor. Die am häufigsten angewendete Bewertungsmethode ist die Mittelwertmethode (Mittelwert- oder Praktikermethode). Diese berechnet den Unternehmenswert aus dem Mittelwert von 1x Substanzwert und 2x Ertragswert. Die Bewertung des Substanzwertes basiert auf der Bilanz und erfolgt zu Fortführungswerten nach der Netto-Methode. Die dafür notwendigen Verifizierungen und Bewertungen der stillen Reserven im Anlage- und Umlaufvermögen werden gemäss den vorhandenen Unterlagen und den persönlichen Ausführungen des Inhabers ermittelt. Für die Unternehmensbewertung werden bei stillen Reserven latente Steuern berücksichtigt. Für die Ertragswertberechnung stütz man sich auf interne Erfolgsrechnungen der vergangenen Jahre sowie zukünftige Budgets. Daraus kann der zukünftige Gewinn prognostiziert werden, welcher als Grundlage für den Ertragswert dient.

Eine andere Möglichkeit ist die Cashflow basierte Bewertungsmethode «DCF – Discounted Cash-Flow». Bei deren Anwendung wird der Unternehmenswert als Barwert künftiger freier Cashflows bestimmt. Der Unterschied zur klassischen Ertragswertmethode liegt darin, dass nicht ein nachhaltig erzielbarer Zukunftsgewinn kapitalisiert wird, sondern die in naher Zukunft liegenden freien Cashflows, welche mit den Kapitalkosten diskontiert werden. Bei der Festlegung des Kapitalisierungszinssatzes wird dem Investitionsrisiko Rechnung getragen. Die Herausforderung dieser Bewertung liegt darin, dass die in Zukunft erzielbaren freien Cashflows abgeschätzt werden müssen. Bei Unternehmen ohne lange Vergangenheit und grossem Wachstum ist sie besser geeignet als die Praktikermethode.

Die im KMU-Bereich weniger bekannte Multiples- oder Leistungswert-Vergleichsmethode findet bei grösseren Unternehmen mehr Anklang. Dabei wird ein Vergleichswert von ähnlichen Betrieben wie z.B. den EBIT, EBITDA, Umsatz etc. verwendet und mit einem Faktor hochgerechnet. Bei Dienstleistungsfirmen kann es z.B. zu einer Kombination aus Umsatz und Substanzwert kommen, welches dann zu einem Umsatzmultiple führt.

Aus Firmenangeboten am Markt wird zu Teil vom sogenannten Eigentümergewinn gesprochen. Diese Anbieter errechnen den Verkaufspreis aus Unternehmerlohn plus erzieltem Gewinn als Basis für die Kapitalisierung. Dies führt zu einem völlig überhöhten Wert. Solche Methoden sind von Experten und Banken verpönt und sachlich unkorrekt. Ein marktkonformer Unternehmerlohn muss Bestandteil der Erfolgsrechnung sein, gehört jedoch nicht als direkte Komponente in eine Ertragswertberechnung.

Wo liegen die Wertetreiber für einen hohen Unternehmenswert bei KMU’s?
Oftmals hat der Unternehmensinhaber in der Realität viel zu hohe Wertvorstellungen von seiner eigenen Firma. Insbesondere stellen wir dies bei kleinen Unternehmen (< 10 MA) oder bei Unternehmen, welche unrealistische Budgets als Basis verwenden, fest. Jeder Unternehmenskäufer muss den Kaufpreis mit den zukünftigen Gewinnen amortisieren. Das Risiko der künftigen Gewinnerzielung soll auf einer möglichst kurzen Zeitachse (< 8 Jahre) erfolgen. Dies sollte sich der Verkäufer bewusst sein. Je besser die Unternehmung aufgestellt ist, desto höher wird der Unternehmenskaufpreis! Nachfolgende (nicht abschliessende) Aspekte sind relevante Wertetreiber für den Unternehmenskaufpreis:

  • Nachhaltiger jährlicher Unternehmensgewinn (je höher = je wertvoller). Hierbei ist die Zukunft wichtiger als die Vergangenheit!
  • Anzahl der Mitarbeitenden sowie Anzahl des Kaders. Viele MA im Unternehmen verringern das personelle Risiko. Fällt in einer 5 MA Unternehmung eine Person aus, so fehlen 20% Kapazität. Fällt bei 20 MA-Unternehmung eine Person aus, so fehlen 5% Kapazität.
  • Die betrieblichen Investitionen sind getätigt. Stehen kurzfristig hohe Investitionen in Maschinen, Informatik oder sonstige Betriebsmittel an, so verringert dies den Unternehmenswert.
  • Abhängigkeiten vom Inhaber in Bezug auf seine Verkaufstätigkeiten (Bsp. Inhaber macht den Verkauf der Produkte & Dienstleistungen alleine) sind schlecht. Unternehmungen mit personell breit abgestützter Verkaufsabteilung sind wertvoller!
  • Unternehmungen mit einem Personalbestand gemischten Alters sind wertvoller, als Unternehmungen mit einem überalterten Personalbestand (anstehende Pensionierungen).
  • Eine vielfältige Kundenstruktur und ausgewogene Umsätze machen das Unternehmen wertvoller. Kunden mit mehr als 10% Anteil vom Jahresumsatz bedeuten ein Klumpenrisiko.
  • Markenprodukte oder geschützte Patente machen wertvoller.

Unternehmenswert und Unternehmenskaufpreis ist nicht das Gleiche!
In den meisten Fällen sind der Wert einer Unternehmung und der Preis, welcher dafür verlangt resp. bezahlt wird, nicht identisch. Eine Unternehmensbewertung erfolgt nach objektiven Kriterien, der Kaufpreis ist Verhandlungssache. Der daraus resultierende Kaufpreis ist also in der Mehrzahl aller Fälle das Resultat von Kompromissen. Jedem Unternehmer ist klar, dass Angebot und Nachfrage den Kaufpreis massiv beeinflussen.

Fazit
Mit den vorgestellten Bewertungsmöglichkeiten und diversen Einflüssen wurde eine Diskussionsgrundlage geschaffen. Wir empfehlen jedem Unternehmer sich frühzeitig (5 bis 8 Jahre vor der effektiven Nachfolgeregelung) mit der eigenen Unternehmensnachfolge auseinander zu setzen. Sinnvoll ist es hierfür sich mit einem erfahren Experten die eigene Situation / Unternehmung zu analysieren und zu klären ob relevante Massnahmen anstehen. Wir erleben oft, dass sehr viel Substanz (Eigenmittel / Eigenkapital) in der Bilanz vorhanden ist, die nicht zum erzielten Ertragswert passt (Klassiker : Viel Substanz und wenig bis kein Ertrag). Ohne vorzeitige Planung und Umsetzung von Optimierungsmassnahmen verliert der Inhaber bei einem solchen Unternehmensverkauf viel Geld.

     

Hans-Peter Ruepp, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsleitung und Lukas Müller, Unternehmensberatung/Treuhand, Ruepp & Partner AG

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